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Ich wollte unbedingt noch einmal kommen

Sofija JegorownaTimosenko war früher Zwangsarbeiterin in der Stadt Marburg

Artikel aus der "Marburger Neuen Zeitung", vom 13.07.2006

Marburg (ib). "Ich wollte unbedingt noch einmal nach Marburg kommen und sehen, wie sich alles verändert hat. Es gefällt mir hier. Wir sind sehr freundlich empfangen worden". Das hat die 78-jährige Sofija Jegorowna Timosenko erklärt, als sie jetzt die Stadt besuchte.

Sie ist eine von vier ehemaligen russischen Zwangsarbeitern die zur Zeit an einer Begegnungswoche teilnehmen, die die Marburger Geschichtswerkstatt ausrichtet (diese Zeitung berichtete). Mit dabei ist auch ihre Schwester Sinaida Jegorowna Dremutschewa.

Timosenko wurde 1944, im Alter von 16 Jahren, gemeinsam mit ihrer Mutter und ihren drei Geschwistern nach Marburg zur Zwangsarbeit verschleppt. Die Familie musste bei der Reichsbahn arbeiten.

"Ich habe gereinigt, geschmiert und Weichen gestellt. Außerdem musste ich an einem Luftschutzraum in der Nähe des Bahnhofs mitbauen", erinnert sich die 78-jährige. Sie hat auch ihren Enkel Andrey Blagasow mit nach Marburg genommen: "Mein Enkel spricht deutsch und war auch schon einmal in Deutschland. Alleine hätte ich mich nicht getraut", sagt sie im Gespräch mit dieser Zeitung.

Am vergangenen Dienstag machten die ehemaligen Zwangsarbeiter im Rahmen der Begegnungswoche eine Busfahrt zu ihren ganz persönlichen Erinnerungsorten in Marburg, so zum Beispiel zum Hauptbahnhof und auf das Gelände Rudolf-Bultmann-Straße 2a, das heute zum Kulturzentrum Waggonhalle gehört. "Ich erinnere mich noch. Hier hat meine Mutter gearbeitet", sagt die heute 74-jährige Galina Wassiljewna Warnatschewa als sie auf das Gelände der Waggonhalle kommt. Sie wurde 1941, gemeinsam mit ihrer Mutter nach Deutschland verschleppt. Die beiden mussten für die Reichsbahn arbeiten. Warnatschewa war damals erst elf Jahre alt. "Die Erwachsenen arbeiteten im Depot. Sie reinigten Lokomotiven, wir Kinder räumten das Gelände auf", erinnerte sich Warnatschewa vor Ort an die schlimme Zeit damals.

An der Begegnungswoche, die am kommenden Freitag zu Ende geht, nimmt auch der bereits 80-jährige Michail Alexandrowitsch Popow teil. Er wurde damals gemeinsam mit seinem Bruder und seiner Mutter nach Deutschland verschleppt. Hier musste er zunächst auf einem Bauernhof in Todenhausen arbeiten, ab 1942 wurde er zur Zwangsarbeit bei den Behringwerken verpflichtet. Dort war er im "Lager Hinkelbach" untergebracht.


Mutter und Tochter bei Ihrem Besuch in Marburg: Galina Wassiljewna Warnatscheva (links), Nadesha Alexandrow Arschanowna (rechts).

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