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Deportation aus Gestapo-Sicht

Fotos zeugen von der Vernichtung

Artikel aus der "Marburger Neuen Zeitung", vom 25.01.2006

Marburg. (mm). "Fotografieren verboten!" lautete die strenge Dienstanweisung der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) Nürnberg-Fürth zur Deportation der jüdischen Bevölkerung aus Mainfranken in die Gettos und Vernichtungslager. Im Fränkischen wurde jedoch gegen die Anweisung verstoßen und ein Gestapo-Fotograf dokumentierte die Wege in die Vernichtung. Bis zum 5. Februar sind diese einmaligen Zeitdokumente im Marburger Rathaus zu sehen.

"Wege in die Vernichtung" lautet der Titel der Ausstellung, die vom Staatsarchiv Würzburg und vom Institut für Zeitgeschichte des Bezirks Unterfranken (Bayern) initiiert und kommentiert worden ist.

Gezeigt werden auf großen Schautafeln 119 Fotos, die während dreier Deportationswellen in der Zeit von November 1941 bis April 1942 in Würzburg und Kitzingen entstanden sind. Die Zeitdokumente des Gestapo-Fotografen waren lange Zeit im Verborgenen gelagert. Erst 2001 wurden sie zufällig in einer Prozessakte wieder entdeckt. Dieses "Album der Gestapo Würzburg" bildet den Kern der Wanderausstellung, die von der Geschichtswerkstatt Marburg in Kooperation mit der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit nach Marburg geholt wurde. Die Fotos sind ergänzt durch Dokumente, Befehle und Auflistungen. Neben den Fotos sind Dokumente, Befehle und Namenslisten zu sehen. Sie stehen exemplarisch für die Verschleppungen von Juden, Sinti und Roma im gesamten Reichsgebiet. Thomas Werther von der Geschichtswerkstatt erklärte, das Wissen über die Deportationen aus dem Marburger Raum seien spärlich.

Aus dem Landkreis einschließlich der Stadt Marburg fanden nach diesen Erkenntnissen drei Deportationswellen statt. Im Dezember 1941 wurden 127 Personen ins Getto Riga (Lettland) verbracht. Von den Deportierten hatten nur 20 Menschen das Glück, von den Alliierten befreit zu werden. Im Juni 1942, so Werther, fand eine zweite Deportation statt, bei der 60 Juden aus Marburg nach Lublin (Polen) "abgeschoben" wurden. "Keiner von diesen Menschen überlebte den industriellen Massenmord", sagte Werther.

Endgültig "judenfrei" wurde der Landkreis im September 1942. Mit einem gewissen Stolz sei dies in den Akten vermerkt, nachdem 80 Marburger Juden gewaltsam nach Theresienstadt gebracht wurden. Nur fünf von ihnen überlebten.

Die Ausstellung "Wege in die Vernichtung" ist bei freiem Eintritt bis einschließlich 2. Februar täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet.

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