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Dokumentation

Zwangsarbeit in Marburg 1939 bis 1945

Artikel aus der "Oberhessischen Presse", vom 03.04.2005


Das Foto von Janina K., die als Zwangsarbeiterin tätig war. Foto: Bohnke

Marburg. Gut 550 Seiten umfasst der Band, in dem die Ergebnisse der mehrjährigen Forschungen über die Zwangsarbeit in Marburg zusammengetragen und dokumentiert sind.

von Brigitte Bohnke

Geschichte, Entschädigung, Begegnung", lautet der Untertitel des Bandes, den Stadtverordnetenvorsteher Heinrich Löwer als "Abschluss eines besonderen Projektes" bezeichnete. Mehrere Frauen und Männer, und nicht zuletzt die Marburger, hätten engagiert mitgearbeitet, so Löwer. Und nicht nur mit Blick auf das Buch betonte er: "Das ist ein Gemeinschaftswerk."

Im März 2000 gab die Stadtverordnetenversammlung den Startschuss für das Vorhaben. Das Parlament bewilligte 10.000 Mark für die Erforschung der Zwangsarbeit in Marburg von 1939 bis 1945. Die Marburger Geschichtswerkstatt wurde mit dieser Aufgabe betraut. Und die Arbeitsgruppe präsentierte bereits im August 2000 in einer gut besuchten Bürgerversammlung erste Ergebnisse.

In einer Datenbank konnten Ende des Jahres 2000 rund 1.700 zivile Zwangsarbeiterinnen und -arbeiter und Kriegsgefangene sowie deren Einsatzorte und Unterkünfte zumeist namentlich erfasst werden. Eingesetzt wurden die Frauen und Männer in der Industrie, im Handwerk und Handel, im produzierenden Gewerbe, in der Stadtverwaltung, der Universität sowie in kirchlichen Einrichtungen.

Auch in der Landwirtschaft, in Dienstleistungsbetrieben (Gastwirtschaften, Pensionen) und in Privathaushalten waren Zwangsarbeiter tätig. "Von der Ausbeutung der ausländischen Arbeitskräfte profitierte nahezu jeder", schreibt die Wissenschaftlerin Lydia Hartleben.

Die Spurensuche nach den Frauen und Männern aus vielen Ländern war mühsam, schwierig, aber auch erfolgreich. Die genaue Anzahl der Menschen, die in Marburg als Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene im Einsatz waren, ist aufgrund der Quellenlage zurzeit nicht zu ermitteln, heißt es in der Dokumentation.

177 Menschen konnten jedoch ausfindig gemacht werden und haben die 2.000 Euro erhalten, die das Parlament als Entschädigungsbetrag pro Person beschlossen hatte.

Die Marburger haben auch die Begegnung mit den ehemaligen Zwangsarbeitern gesucht und zwei Begegnungswochen, eine im Juni 2003 und eine im Oktober 2004, organisiert. Darüber ist in dem Band ebenfalls Interessantes nachzulesen.

Am Donnerstag wurde das Buch aus der Reihe "Marburger Stadtschriften zur Geschichte und Kultur" im Rathaus vorgestellt. Zu kaufen ist es jedoch noch nicht. Der Einband der vorliegenden Exemplare sei fehlerhaft, erläuterte Löwer. Das müsse korrigiert werden.

Stadtverordnetenvorsteher Löwer, der das gesamte Projekt koordiniert hat, sei der "Vater" des Projektes, die PDS-Stadtverordnete Eva Gottschaldt die "Mutter", meinte Oberbürgermeister Dietrich Möller (CDU) bei der Buchpräsentation.

Die PDS-Fraktion hatte Ende 1999 mit der Frage nach dem Ausmaß der Zwangsarbeit in Marburg die allgemeine Entschädigungsdebatte zum Thema für Marburg gemacht.

Für Löwer ist der "dicke Band" ein Dokument der Marburger Zeitgeschichte. Mit der Publikation werde das gesamte Projekt Zwangsarbeit in Marburg von 1939 bis 1945 dokumentiert. Für Marburg sei es wichtig gewesen, "ein Zeichen zu setzen", merkte OB Möller an. "Dieses Unrecht wiedergutmachen kann man nicht."

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