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Die Spuren der Menschen dürfen nicht verwischt werden

Geschichtswerkstatt lud zum Gedenken an deportierte jüdische Mitbürger ein

Artikel aus der "Oberhessischen Presse", vom 07.09.2007


Schülerinnen des Philippinum verlasen die Namen der Menschen jüdischen Glaubens, die am 6.September 1942 verschleppt wurden. Foto: Christine Krauskopf

Marburg. Mehr als 50 Menschen versammelten sich am Donnerstagabend am Hauptbahnhof, um den Marburgern jüdischen Glaubens zu gedenken, die bis zum Jahr 1942 deportiert wurden.

von Christine Krauskopf

Die Geschichtswerkstatt hat sich wahrlich keinen stillen Ort für das Gedenken ausgesucht. Züge kamen an, Reisende hetzten mit ihren Koffern vorbei, Züge fuhren wieder ab, Durchsagen lärmten. So muss es auch am 6. September 1942 gewesen sein, als die letzten Marburger Juden in Waggons verladen und in die Konzentrationslager deportiert wurden.

"Die Nationalsozialisten taten alles, um die Spuren der Menschen zu verwischen", sagte Marlis Sewering-Wollanek, die als Vertreterin des Marburger Magistrats gekommen war. Genaus dies dürfe nicht geschehen.

Seit 2002 erinnert die Geschichtswerkstatt an jedem 6. September an die Deportation. Damit die Erinnerung nicht abstrakt wird, verlasen Schülerinnen des Philippinums die Namen der 43 Opfer aus der Marburger Kernstadt mit Alter und Schicksal.

Pfarrer Dr. Gernot Schulze-Wegener aus Rauschenberg knüpfte in seiner Rede an ein Zitat von Theodor Adorno an: "Die Forderung, dass Ausschwitz nicht noch einmal sei, ist die allererste an die Erziehung." Adornos Essay sei zwar 40 Jahre alt, habe aber nichts von seiner Aktualität verloren, wie die jüngsten Ausschreitungen gegen Ausländer gezeigt hätten.

Erziehung sei ein immerwährender Lernprozess, der nicht auf die nachwachsende Generation beschränkt sei, sagte Schulze-Wegener. Solidarität, Toleranz und Menschenrecht müssten permanent eingeübt werden, da sie offensichtlich nicht selbstverständlich seien.

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