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Gedenken

Künstler und Schüler erinnern an Marburger Nazi-Opfer

Artikel von Werner Girgert, aus der "Oberhessischen Presse" vom 18.11.2006

Marburg. Zum zweiten Mal in diesem Jahr verlegte der Kölner Künstler Gunter Demnig in Marburg Stolpersteine, die an die Opfer des Nationalsozialismus erinnern sollen.

Zwei Messingplatten ließ Gunter Demnig am Donnerstag in den Bürgersteig vor dem Wohnhaus Heusingerstraße 1 ein. Die Stolpersteine erinnern an das jüdische Ehepaar Salomo und Selma Pfifferling, das bis zu seiner Deportation durch die Nazis im Dezember 1941 in der Heusingerstraße lebte. Das Ehepaar wurde zunächst in das Ghetto Riga deportiert und später im Konzentrationslager Auschwitz ermordet.

Schüler der Klasse R 10 a der Theodor-Heuss-Schule informierten während der Aktion des Kölner Künstlers über das Schicksal von Salomo und Selma Pfifferling. Im Unterricht hatten sie sich in den vergangenen Monaten auf die Suche nach den Spuren der Nazi-Opfer begeben.


Zusammen mit Schülern der Theodor-Heuss-Schule verlegte Gunter Demnig die Stolpersteine. Foto: Girgert

Zu ihnen zählt auch der jüdische Rechtsanwalt Willi Wertheim, an den seit Donnerstag an Stolperstein vor Haus Biegenstraße 44 erinnert. 1933 erhielt der engagierte Sozialdemokrat Berufsverbot und emigrierte nach Frankreich.

Im Februar 1943 wurde er dort verhaftet und zunächst ins Lager Drancy verschleppt. Im März 1943 wurde er ins Konzentrationslager Majdanek deportiert und ermordet.

Außerdem erinnerten Demnig und die Theodor-Heuss-Schüler am Donnerstag an das Ehepaar Ludwig und Irma Beck, die in der Weidenhäuser Straße 31 wohnten, sowie an Heinrich Wilhelm Schäfer, der in einer Barackensiedlung in der Straße "Am Krekel" lebte und 1944 wegen Hochverrats und Wehrkraftzersetzung enthauptet wurde.

Fabian Rehm vom Arbeitskreis Stolpersteine, der die Aktion in Marburg koordiniert, nannte die Messingplatten im Boden ein Zeichen zum Gedenken an die von den Nazis "sinnlos ermordeten Menschen". Gleichzeitig zeugten die Stolpersteine auch vom Hass und Wegsehen der Nachbarn, die keinen Anstoß an der Verfolgung Unschuldiger nahmen.

Gunter Demnig bezeichnete die Verlegung der Stolpersteine in Marburg als weiteren Schritt zu einem "dezentralen Denkmal in ganz Deutschland". Nahezu 10.000 solcher Erinnerungsmarken hat der Künstler in den vergangenen Jahren deutschlandweit bereits verlegt, um dem Vergessen entgegenzuwirken. "Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist", so Demnig.

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