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Verschleppung von Juden

Verbrecher dokumentieren ihre Verbrechen

Artikel aus der "Oberhessischen Presse", vom 25.01.2006

Marburg. Was nach dem Willen der Nationalsozialisten nie hätte dokumentiert werden dürfen, ist seit Montag im Marburger Rathaus zu sehen: Eine Ausstellung zeigt in Bildern die Verschleppung der Juden aus Würzburg und Umgebung.

von Eva Seyer

Bei der Deportation der jüdischen Bevölkerung aus Mainfranken in den Jahren 1941 bis 1943 ist etwas geschehen, das sonst strengstens verboten war.

Die Verschleppungen wurden ausführlich fotografisch dokumentiert - von der Abholung der Menschen in ihren Wohnungen bis zur Katalogisierung ihrer Besitztümer und dem grausamen Einfallsreichtum, mit dem die Gestapo-Beamten ihre Opfer erniedrigten.

Angefertigt wurden die mehr als 100 Fotografien von einem Gestapo-Beamten, um anschließend in einem Album zusammengefasst und mit Kommentaren versehen zu werden. Es ist eine groteske Dokumentation der Verbrecher über ihre eigenen Verbrechen.

"Diese Ausstellung zeigt Fotos, die es eigentlich gar nicht geben dürfte", sagte Walter Bernsdorff, ehemaliger Vorsitzender der Geschichtswerkstatt Marburg, während der Eröffnung der Ausstellung.

Die Geschichtswerkstatt hat die Ausstellung des Staatsarchivs Würzburg in Zusammenarbeit mit der Marburger Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit in die Stadt geholt. Am Montagabend waren gut 50 Besucher im unteren Rathaussaal erschienen, um die Eröffnung der Ausstellung mitzuerleben.


Marburgs Oberbürgermeister Egon Vaupel ermutigte die Besucher, sich die Einzelschicksale der Menschen vor Augen zu führen. Thomas Werther, Vorsitzender der Geschichtswerkstatt, umriss die Marburger Wege in die Vernichtung.

Wenn auch aus Marburg keine Bilder die Verschleppung der jüdischen Bevölkerung dokumentieren, so lässt sich doch ein deutliches und erschütterndes Bild der Deportationen aus Marburg und dem alten Landkreis zeichnen.

Wenigstens 267 Personen wurden in den Jahren 1941 und 1942 verschleppt. Von ihnen überlebten nicht mehr als 25 den Massenmord der Nationalsozialisten.

Der Marburger Chor "Politöne" unter der Leitung von Gerd Schiebl gestaltete den musikalische Teil der Ausstellungseröffnung. Begleitet von Gitarre oder Akkordeon sowie a Cappella, brachte der Chor Lieder wie den "Theresienstädter Marsch" oder die Ballade "Unter den Trümmern von Polen" des jüdischen Schriftstellers Itzik Manger zu Gehör.

Die Ausstellung im unteren Rathaussaal ist bis zum 5. Februar täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet.

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