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Stolpersteine - Steine gegen das Vergessen

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Helmut Völker


Für Helmut Völker.


Das Haus in der Schwanallee 57.

Der Stein wurden verlegt am 28.04.2008.

HIER WOHNTE
HELMUT VÖLKER
JG. 1931
EINGEWIESEN 1938
'HEILANSTALT' SCHEUERN
ERMORDET 30.9.1944
'HEILANSTALT' HADAMAR

 


Helmut Völker
(1931 - 1944)


das Kinderheim Bethesda in Marburg,
Aufnahmejahr unbekannt

Am 19. Juli 1931 nichtehelich geboren - als Folge einer Vergewaltigung seiner 13-jährigen Mutter Ottilie Völker - lebte Helmut mit seiner Mutter bis 1934 im Mädchen- und Kinderheim Bethesda, Schwanallee 57.

Seine Mutter war gezwungen, Helmut zu verlassen, weil sie eine landwirtschaftliche Dienststelle antreten musste. Helmut blieb drei Jahre im Kinderheim, dann erfolgte seine Verlegung nach Hephata, Treysa. Das geschah aufgrund der Diagnose "Schwachsinn mittleren Grades" und anderer, zum Teil nicht überprüfbarer körperlicher Befunde.

Von November 1938 bis Januar 1939 lebte er wieder in Marburg in der "Landesheilanstalt" Cappeler Straße 98. In seiner Akte wird als "Rasse" "ostisch" angegeben - damit war er von offizieller Seite als "unwertes" Leben "abgestempelt".

Daraus folgte die Verlegung in die "Heilerziehungs- und Pflegeanstalt" Scheuern bei Nassau/Lahn, wo er noch, mittlerweile als erbkrank diagnostiziert, vier Jahre und acht Monate lebte.

Die Gesuche der inzwischen verheirateten Mutter auf Besuch und Urlaub wurden systematisch unterbunden. Immer wieder wurde sie vertröstet, ihr Sohn mache nicht die erforderlichen Fortschritte. Nicht einmal Päckchen von seiner Mutter zum Geburtstag bekam er zugestellt.

Als er "wegen Erfolglosigkeit ausgeschult" worden war, bedeutete das sein Todesurteil. Am 3. September 1944 wurde Helmut Völker nach Hadamar (Limburg) gebracht. "Erkrankt an Pneumonie, Fieber, Herzschwäche", heißt es in seiner Akte, er "erholt sich nicht mehr, heute Exitus", wurde am 30. September 1944 notiert. Angebliche Krankheiten sollten die Ermordung verschleiern. Ottilie Völker erfuhr offiziell nie den wahren Grund des so plötzlichen Todes ihres Sohnes, auch wenn sie nicht aufhörte, um Antwort zu bitten. So schreibt sie: "Mein armer Junge war mir genauso viel wert, wie jeder anderen Mutter ihr Kind".

"Ein Junge, gerade mal 13 Jahre alt, verachtet als 'unwertes' Leben und Opfer unmenschlicher Ideale und einer gnadenlosen Gesellschaft." So empfinden es die beteiligten Schülerinnen und Schüler der Theodor-Heuss-Schule.

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